Warum Alpakas und Lamas kein Obst und Gemüse fressen sollten – und was sie wirklich brauchen:

Glückliche Menschen verwöhnen Alpakas auf der Weide mit Haselnusszweigen.

Viele Menschen möchten Alpakas & Lamas etwas gutes tun. Wir neigen dazu die Tiere mit Leckerlies verwöhnen zu wollen. Liebe geht schließlich durch den Magen! Von anderen Tierarten kennen wir das oft, dass zum Beispiel Äpfel oder Karotten verfüttert werden, da liegt der Gedanke nahe, dass das auch für Alpakas & Lamas eine schöne Belohnung sein könnte. Doch genau hier beginnt ein weit verbreitetes Missverständnis- eines, das wir immer  wieder in Gesprächen mit (potenziellen) Alpakabesitzern, aber auch mit GästInnen erleben.

 

In diesem Beitrag erklären wir, warum Obst und Gemüse für Alpakas & Lamas nicht geeignet sind, welche Risiken dahinterstecken und wie ein artgerechter Umgang aussieht. Unser Ziel ist nicht zu belehren, sondern Wissen zu teilen, das den Tieren langfristig gut tut.

Wie fressen Alpakas & Lamas in der Natur?

Alpakas auf der eiweißreichen Wiese.

Die Verdauung von Alpakas & Lamas ist auf faserreiches, nährstoffarmes Gras ausgelegt, denn sie stammen aus den kargen Regionen der Anden. Anders als bei uns bietet das Gras dort wenig Energie und enthält kaum Zucker. Dementsprechend ist das Verdauungssystem der Neuweltkameliden genau darauf ausgelegt: langsam, effizient und extrem empfindlich.

 

Bei uns in Deutschland ist das Gras oft zu eiweißreich, weshalb zur Weide zusätzlich immer Heu zur Verfügung stehen sollte, auch im Sommer! Das klingt für uns Menschen vielleicht "langweilig", ist aber für die Tiere ideal. Wir handhaben dies bei uns mit kontrollierten Weidegang: tagsüber ist das Tor zur Weide geöffnet, in der Nacht bleiben unsere Jungs und Mädels im Offenstall (dies hat den weiteren Vorteil, dass wir Abends und am Vormittag alle Tiere sehen und kontrollieren können, ob noch alles in Ordnung ist).

Warum Obst und Gemüse problematisch sind

Lama Uschi liegt im Winter in ungewöhnlicher Position, dies ist ein Hinweis darauf, dass sie eine Kolik hat.

Obst und Gemüse wirken harmlos, sind es aber für Alpakas & Lamas nicht. Hier die wichtigsten Gründe:

  • Zu viel Zucker= Risiko für Übersäuerung: Die Tiere sind von Natur an Diabetiker und können Zucker- auch Fruchtzucker- nicht gut verstoffwechseln. Dies kann zur Übersäuerung, Koliken und Fehlgärungen führen.
  • Gefahr von Koliken und Fehlgärungen: Ihr Magen-Darm-System reagiert auf alles, was nicht auf dem natürlichen Speiseplan steht.
  • Verfettung durch zu energiereiches Futter: Alpakas und vor allem Lamas verwerten Futter extrem effizient. Schon kleine Mengen Obst können langfristig zu Übergewicht führen.
  • Kaum kauen -> Verdauungsprobleme: Obst und Gemüse werden oft nicht ausreichend gekaut und schnell geschluckt. Das kann zu Verstopfungen und Verdauungsstörungen führen.
  • Sie zeigen Schmerzen kaum: Alpakas & Lamas verbergen Unwohlsein. Wenn man merkt, dass etwas nicht stimmt, ist es oft schon zu spät.

Der menschliche Faktor: Für wen machen wir das eigentlich?

Alpaka wird mit Haselnusszweigen gefüttert. Ein natürlicher und artgerechter Snack für die Tiere.

Viele Menschen möchten ihre Tiere verwöhnen. Das ist absolut verständlich, aber oft tun wir es für uns, nicht für die Tiere.

 

Alpakas & Lamas brauchen:

  • Ruhe
  • Klarheit
  • artgerechtes Futter
  • Vertrauen

Sie brauchen keine Leckerlies, um mit uns zu kooperieren. Sie brauchen auch keine Karotten, um glücklich zu sein. 

Aber da auch wir die Tiere gerne verwöhnen gibt es eben hin und wieder Haselnuss-Zweige. Diese Blätter lieben unsere Alpakas & Lamas!

 

Wie wir es am Pointnerhof handhaben

Die Alpakas & Lamas auf der Fresswiese während der Wanderung.

Wir haben uns bewusst entschieden, kein Obst und Gemüse zu füttern. Nicht, weil wir streng sein wollen, sondern weil wir Verantwortung tragen. So kommt es zu einem gemeinsamen Beisammensein, bei dem sich alles Parteien wohlfühlen und das gelingt ganz ohne Leckerli.

 

Unser Ansatz:

  • keine Belohnungen über Futter
  • klare Regeln im Umgang
  • Vertrauen statt Leckerli
  • Fresswiese & Haselnussblätter als natürlich Belohnung

Die Tiere wissen genau:

Bei jeder Wanderung geht es auf die Fresswiese- und das lieben sie. Mehr braucht es nicht.

Empfehlungen für Neu‑Züchterinnen/zukünftige AlpakahalterINnen

Lama Qallas liegt entspannt auf der sommerlichen Wiese und schaut neugierig in die Kamera.

Wer neu mit Alpakas und/oder Lamas startet, möchte alles richtig machen. Das ist wunderbar, und genau dafür gibt es großartige Kurse.

 

Wir empfehlen:

Und besonders wichtig:

  • Regelmäßige Kotproben: Viermal im Jahr, um Parasiten frühzeitig zu erkennen.
  • Heu zur Verfügung stellen, auch im Sommer
  • Kenne Deine Tiere sehr gut, so dass kleinste Verhaltensänderungen schnell auffallen und handle sofort.

Einladung zum Austausch

Beim Schnupper-Erlebnis kommen die Menschen den Alpakas & Lamas ganz nah.

Wir freuen uns immer, wenn Menschen Fragen stellen oder sich weiterbilden möchten. Wenn du unsicher bist oder mehr über unseren Umgang erfahren möchtest:

Wir zeigen dir, wie unsere Tiere ganz ohne Belohnung „funktionieren“ – ruhig, klar und vertrauensvoll.

Fazit

Vertrauensvoller Umgang zwischen der Mitarbeiterin und den Alpakas des Pointnerhofs.

Alpakas und Lamas brauchen kein Obst und Gemüse.

 

Sie brauchen:

  • artgerechtes Futter

  • klare Strukturen

  • Ruhe

  • Vertrauen

  • Menschen, die bereit sind, dazuzulernen

Wenn wir ihnen das geben, danken sie es uns mit Gesundheit, Gelassenheit und einem harmonischen Miteinander.

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